14. April 2007: Saisonstart des MCV: Grenzlandtour
Tourguide: Reinhard K.
Betrachtet man kalendermäßig dieses Datum etwas genauer, wären die von Skepsis geprägten Überlegungen in der Planungsphase des diesjährigen Tourenkalenders wegen des relativ frühen
Termins obsolet gewesen. Die frühsommerliche Wetterphase und die hervorragenden Prognosen
motivieren die Bikes früher als sonst startklar zu machen. Den überzeugenden Beweis liefert wohl der
durch rege Teilnahme (18 Fahrer) gekennzeichnete und gelungene Saisonauftakt unter der Führung von Reinhard.
Bei fast frühsommerlichen Morgentemperaturen treffen wir uns gegen 9Uhr bei der Raststation Oldtimer
in Guntramsdorf. Ich habe für diese Unternehmung bereits meinen Air flow – Anzug aus dem Kasten
geholt – eine richtige Entscheidung, wie sich im Verlaufe des Tages herausstellt. Beim Treffpunkt
heitere, dem Prachtwetter angepasste Stimmung, Fachsimpeleien über dies und das und die Vorfreude
auf die erste gemeinsame Fahrt in die neue Saison 2007. Ich freue mich, mit meiner neuen 800er ST
meine erste Clubtour bestreiten zu können. Also, nun gibt es keine Ausrede mehr für mich, kraftmäßig unterlegen zu sein. Eine wahre Herausforderung für die Zukunft.
Vor dem Start eine kurze fachkundige Einführung in die Tagesplanung. Schön auch zu sehen der verantwortungsbewusste Zugang von Reini mit dem ausdrücklichen Vermerk, dass dies die erste offizielle Tour des Jahres sei, also hier Bedachtsamkeit und besondere Aufmerksamkeit beim Fahren dringlich anzuraten sei, findet das Sicherheitstraining doch erst am 28. April statt. Reini selbst scheint schon sehr sattelfest zu sein, hat er doch bereits einige tausend Kilometer mehr auf seinem Tacho. Es steht eine beachtliche Kilometerzahl an, das verheißt schon im Vorfeld relativ kurze Pausen und viel Sitzfleisch.
Das ist auch gut so, sind wir doch alle immens begierig nach der Winterpause Trainingskilometer zu
machen.
Wir fahren los, nehmen ein Stück die Autobahn A3 bis Hornstein, folgen dann der Bundesstraße nach
Stotzing und Hof, überqueren das Leithagebirge nach Donnerskirchen und pendeln durch die Weingärten nach Oggau und weiter nach Oslip. Es geht nun der Grenze entlang über Siegendorf, Schattendorf und
Marz. Vor dem Sieggrabener Berg sind wir schließlich schon froh, als Reini einen kurzen Stopp einlegt.
Man würde an dieser Stelle eine Kaffeepause vermuten, dem ist aber nicht so. Kurzer, jedoch nicht
wirklich ernst gemeinter Sarkasmus über diesen Halt im Niemandsland. Manch einer ist bereits vom
Durst geplagt, das kann unseren Reini nicht tangieren, hat er sich doch als professioneller
Heimwerker eine Trinkflaschenvorrichtung auf seine 1200er GS gebastelt. Es bleibt ein wenig Zeit
für ein Fotoshooting und Geplänkel.
Der Weg dorthin führt uns bereits immer wieder über kleine Landsträßchen und Güterwege zu Orten,
die ich zumeist, trotz meines relativ langen Lebens, noch niemals zuvor gehört habe. Wir bewegen uns schlangenförmig durch die unberührte frühlingshafte Landschaft. Das grelle Gelb der blühenden
Rapsfelder und der Löwenzahnwiesen tut beinahe in den Augen weh, es wird immer wieder
durchbrochen von blassblühenden Obstbäumen, welche die intensive Farbenpracht im gleißenden Sonnenlicht relativieren. Egal, ob die Sonne im Visier oder im Rücken, sie ist immerzu da, der Himmel
fast im typischen BMW-Blau über uns ermutigt zu einer zügigen Fahrt.
Nach der wohlverdienten Pause biegen wir in einen Güterweg nach Schwarzenbach ein, passieren das Schloss Kobersdorf nach Kaisersdorf, nehmen erneut einen Güterweg nach Oberrabnitz, Pilgersdorf
und Steinbach. Es geht nun vorbei am Pilgerkreuz von Lebenbrunn nach Redschlag, wir biegen links
ab und gelangen durch waldiges Gebiet zu unserem Mittagsziel - nach Bernstein.
Alle sind einigermaßen froh hier zu sein, so mancher scheint bereits unter akutem Flüssigkeits- und Nahrungsentzug zu leiden. Wir peilen somit auf schnellstem Wege den Wirten nebst Karl Felbauers
Betrieb an und nehmen gerne die Einladung Karls zum Krautfleckerlessen an. An dieser Stelle ein
herzliches Dankeschön, dir, lieber Karl, für das Sponsoring! Einige meiner Kollegen füllen zuvor noch
die Treibstofftanks ihrer Maschinen auf, daran sieht man wahrlich gut, wer sein Bike wirklich liebt! Nach der Mahlzeit kehren wir noch bei Karl ein, so mancher besichtigt die neuen BMW-Modelle, andere dopen
sich bei einem Kaffee für die Weiterfahrt, etliche plaudern vor dem Geschäftslokal mit anderen
Bikerkollegen.
Wir verabschieden uns und unsere Fahrt wird über Grodnau, Goberling nach Stadt-Schlaining, Markt Neuhodis und Rechnitz fortgesetzt. Der Geschriebenstein präsentiert sich diesmal von der herrlichsten
Seite. Reini gibt die Strecke frei und einige sportliche Fahrer nutzen die Gelegenheit ihr eigenes Tempo auf diesem mit Traumkurven versehenen Streckenabschnitt zu wählen. Auch in der verbleibenden Gruppe fahren wir eine ansprechende Geschwindigkeit und es macht richtig Spaß, auf der ziemlich verkehrsarmen Straße dahinzugleiten und sich in die Kurven hineinfallen zu lassen. Idealste Voraussetzungen ob der tollen
Witterung und Straßenverhältnisse. Wir treffen am Hauptplatz vor Schloss Lockenhaus wieder zusammen
und machen hier eine Rast bei Eis und Kaffee. Die Sonne ist nach wie vor unser Begleiter, das Eis schmilzt
in Windeseile, es verursacht beinahe Stress, es schnellstens zu konsumieren.
Wir starten erneut, passieren die Hammerteiche, kommen nach Mannersdorf/Rabnitz, biegen links nach Unterpullendorf ein, fahren rechts den Wald entlang nach Großwarasdorf, Raiding über Unterfrauenhaid, Neutal nach Landsee, dem Zentrum der „Landseer Berge“, und kommen schließlich über Wiesmath nach Hochwolkersdorf – Orte, die mir schön langsam wieder vertrauter werden. Wir stechen nun in rasantem Tempo durch waldiges Gebiet nach Schleinz hinunter und stoppen bei einer ÖMV-Tankstelle, wo
Reinhard den offiziellen Teil der Tour beendet.
Ein Teil der Gruppe nimmt die Autobahn nach Wien, ein paar unermüdliche FahrerInnen beschließen
den Weg über Forchtenstein, Wiesen, Pöttsching nach Eisenstadt zu nehmen. Über den
Stotzinger Berg geht es nach Stotzing, wo auch wir den gemeinsamen Tag beenden. Wir verabschieden uns und sind zufrieden, diesen schönen Tag mit dem Motorradfahren in einer guten Gemeinschaft verbracht zu haben.
Fazit: Nach Reinis Aussagen betrug die Streckenlänge ca. 390 Kilometer oder „Derfs a’ bisserl mehr sein?“ [Zitat von Reini] Franz hat die Durchschnittsgeschwindigkeit mit seiner elektronisch bestens ausgestatteten 1200 RT berechnet, sein Ergebnis: 66 km/h ???
Wie dem auch sei, ein paar läppische Kilometer auf oder ab, es war ein wundervoller Tag - Tage, die man
sich als Motorradfahrer erträumt: wolkenloser Himmel, erlesene Steckenführung abseits der gängigen
Routen (und dies ohne GPS!!!), ein gutes Gemeinschaftsgefühl und viele schöne beeindruckende Momente, eine Art „Frühlings Erwachen“ vom Feinsten.
Danke, Reinhard, für die ausgesprochen interessante Tour und den wunderbaren Tag!
Annelies
|