22. April 2009: Tschüss, das war der ORF - MCV im Simpl
2007 waren einige Mitglieder des Clubs bei einer Vorstellung im Kabarett Simpl.
Damals war die Vorgabe, nicht immer nur herumzubrausen, sondern sich auch an Kultur interessiert zu zeigen. Wir schworen, wir würden es über die Einstiegsdroge Kabarett noch bis zum ‚Ring des Nibelungen’ bringen.
Nunmehr sind 2 Jahre vergangen – und wir waren wieder im Kabarett!!
Mal ehrlich: Richard Wagner ein düsterer Geselle, seine Opern psychopathisch gefärbt und das Festspielhaus in Bayreuth kann auch nicht mit dem Palais Nowak beim Gasometer mithalten.
Der Programminhalt ist eine Leistungsschau des ORF mit vielen Highlights aus den letzten 50 TV-Jahren.
Wann immer in diesem Artikel Prominenz namentlich genannt wird, bezieht sich dies rein auf ihr künstlerisches Alter ego auf der Bühne, Klagen sind also sinnlos.
Es ist ein Streifzug durch die Fernsehwelt, bei dem unzählige Erinnerungen geweckt werden.
Am-dam-des mit dem völlig unnötigen Clown Enrico und der plastifizierten Tante Ingrid Riegler werden genauso auf’s Korn genommen wie Armin Assinger, bei dessen Grinsen man auch als dentalunkundiger Laie erkennen kann, dass er 52 Zähne besitzt – und alle oben.
Beim Auftritt vom zerrupften Joki Kirschner, der seinen depressiven weiblichen Studiogast erst wirklich in den Suizid treibt (‚ ..und nun kommt der Hr. Böhm heim, in der Nase noch den Duft seiner jungen Geliebten,.. und muß sich den erschlaffenden, verfallenden Kadaver seiner Frau ansehen.... Und die Frau Böhm muß sich jetzt sagen: ich möchte trotzdem glücklich sein...’) hat das Publikum gebrüllt.
Nicht minder komisch: Heinz Conrads, Walter Schiejok und Vera Russwurm, die unter der menschlich berührenden Oberfläche vor Selbstdarstellungsdrang nur so triefen.
Sehr gelungen auch der Verriß von Elisabeth T. Spiras Methoden, ein besonders niveautiefes Interview für sensationsgeile Fernsehteilnehmer zu erhalten.
Das Radiowunschkonzert der 50er/60er mit schmalzigen Grüßen der Erbschleicher an die betagte Erbtant’ ließ Anneliese Rothenberger mit erschreckender Betontoupier-Frisur wiederkehren.
Wenn Natascha Kampusch Hr. Petzner interviewt, kann man sich noch so oft sagen: es ist an der Grenze der Pietät – man muß doch lachen.
Singen Hinterseer und Orsolics ‚..der rot-weiss-rote Schmäh is’ g’rennt, hot aa der Niki Lauda brennt’, so glaubt man, man sei wirklich im Sport am Montag-Studio ;- alles Andere wäre auch ein totaler Blödsinn sagt der Niki.
‚Die G’spritzen im Pyjama’ (Raumschiff Enterprise), der Russisch-Kurs mit Lisa Schüller, oder ‚Trailer’ – alle erstehen hier wieder auf.
Die Persiflage vom Zauberer Bobby Lugano mit seinem dämlichen Plüschköter Strolchi, der alles aus dem Mund herauszaubert ist besonders gelungen.
Die Gesangskünste der Darsteller kommen spätestens dann zur Geltung, wenn ‚Biene Maja’, ‚Heidi’ und ‚Pinoccio’ zu einem Opernmedley verschmelzen.
Und der Mundl als Operette hätte wohl mehr Niveau als so einige Aufführungen auf unseren sogenannten Bühnen der Wiener Theater- und Opernkultur.
Barbara Rhett war so salbungsvoll stilgerecht wie das Original, göttlich!
Mein persönliches Highlight: wenn Marcel Reich-Ranicki seine Buchbesprechung zum Kastner & Öhler Katalog macht (‚..das Werk versucht am Ende noch mit einer Packung Feuchtkondome zu schockieren.....’).
Fazit: eine Belastungsprobe für das Zwerchfell und den wasserdichten Sesselbezug.
Dank an die Autoren, Dank an die Darsteller und besonders dir lieber Roman Frankl, dass du uns einen so heiteren Abend möglich gemacht hast.
Pfeif’ auf die Nibelungen-G’schicht - wir bleiben beim Kabarett und stehen dazu!
Schließlich sind wir ein Motorrad-Club und kein Literatenzirkel!
Karin
|