BOSNIEN-HERZEGOWINA MIT ABSTECHER NACH MONTENEGRO
3.000 Kilometer, 6 Motorräder, 10 Hotels, 3 Ruhetage – und jede Menge Geschichten
Zeitraum : Sonntag, 06.09.2026 bis Samstag, 19.09.2026
Teilnehmer : Ilse, Reinhard, Karin & Steffen, Karl Pö., Angelo, Brigitte & Anda, Joe. Tourguide: Reini
Tourdaten : Ca. 3.000 km, 6 Motorräder, 10 Hotels, 3 Ruhetage – überwiegend Asphalt. Wobei „überwiegend“ auf dieser Tour durchaus ein dehnbarer Begriff war.
Die Highlights Una-Nationalpark, Wasserfälle und Wassermühlen, die verlassene Bobbahn und das Hotel Igman bei Sarajevo, die Gedenkstätte in Srebrenica, Lukomir – das höchstgelegene Dorf Bosniens –, eine spektakuläre Grenzbrücke, Montenegro und natürlich jede Menge traumhafte Motorradstrecken. Kurz gesagt: Es war alles dabei, was eine ordentliche Balkantour braucht – Kurven, Berge, Schotter, Regen, Sonne, Bier und gelegentlich auch ein Navi, das seine ganz eigenen Vorstellungen von der richtigen Hoteladresse hatte.
Sonntag, 06.09. – Guntramsdorf – Maribor-290 km-1.275 HM
Los geht's!
Treffpunkt wie gewohnt in Guntramsdorf. Zur Überraschung vieler war heute sogar Susanne dabei und begleitete uns bis zur zweiten Pause in Kaindorf. Das Wetter meinte es zum Auftakt ausgesprochen gut mit uns. Bei angenehmen 22 Grad ging es über Schneeberg, Gloggnitz, Rettenegg, Wenigzell, Feldbach und Mureck Richtung Maribor. Erst kurz vor dem Ziel kletterte das Thermometer auf sommerliche 28 Grad. Damit war schon am ersten Tag klar: Die Wettergöttin hatte offenbar einen Platz auf unserem Sozius gebucht.
Montag, 07.09. – Maribor – Bihać-300 km-581 HM
Traumwetter! 19 Grad am Morgen, 29 Grad bei der Ankunft – Motorradfahrerherz, was willst du mehr? Ab Slovenska Bistrica erwartete uns eine wunderschöne Bergstraße. Teilweise bestens ausgebaut, teilweise eher nach dem Motto „Peter-Rosegger-Weg – Hauptsache irgendwie durch“. Also querfeldein durch Slowenien. Bei Karlovac überquerten wir die Grenze nach Kroatien. Die Wasserfälle von Slunj durften natürlich nicht fehlen. Danach ging es weiter Richtung Bosnien-Herzegowina. Noch ein Grenzübertritt und schon waren wir in Bihać. So langsam wurde uns klar: Die nächsten Tage würden nicht langweilig werden.
Dienstag, 08.09. – Bihać – Jajce-200 km-1.182 HM
Heute stand der Una-Nationalpark auf dem Programm. Kurz nach dem Start waren wir bereits mittendrin. Und wie angekündigt warteten rund zehn Kilometer Schotter auf uns. Die Strecke war tadellos zu bewältigen – zumindest fahrtechnisch. Die Motorräder sahen danach allerdings aus, als hätten sie gerade einen mehrjährigen Kuraufenthalt im Wüstensand hinter sich. Ein zweites Offroad-Stück ließen wir dann lieber links liegen und entschieden uns für die normale Straße. Man muss ja nicht jeden Abenteuerprospekt persönlich erfüllen. Kulen Vakuf wurde als besonders sehenswert angekündigt. Nun ja – sagen wir es diplomatisch: Es war eine kleine Ortschaft mit einigen verfallenen Häusern und praktisch keinen Lokalitäten. Sehenswürdigkeiten waren jedenfalls schneller besichtigt, als ein Motorrad gestartet wird. Der Wasserfall Martin Brod war da schon wesentlich beeindruckender. Allerdings erforderte dessen vollständige Besichtigung einen etwa zehnminütigen Fußmarsch. Das wiederum war nicht für alle Teilnehmer ein zwingendes Argument. Dafür konnten die Mlinčići- Wassermühlen überzeugen. Nach einer kleinen Hotelsuche – bei der ich offensichtlich die falsche Adresse eingegeben hatte – fanden wir schließlich unsere Unterkunft. Und siehe da: Das Hotel war von der Straße überhaupt nicht zu sehen, lag direkt am Fluss, hatte einen Wasserfall und einen Pool. Dazu ausgezeichnetes Essen, beste Stimmung und traumhaftes Wetter. Also hinein in Pool und Fluss! Man muss schließlich auch die körperliche Regeneration ernst nehmen.
Mittwoch, 09.09. – Jajce – Sarajevo-240 km-1.211 HM Wieder strahlender Sonnenschein. Wir folgten zunächst dem Vrbas und später dem Jablanica-See. Dazwischen gab es wunderschöne, bestens ausgebaute Bergstraßen bis auf rund 1.200 Meter. Und dann Sarajevo. Hier warteten gleich zwei besondere Highlights auf uns: das völlig verfallene Hotel Igman und die ehemalige Bobbahn. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie ein Lost Place mit Motorrad aussieht, war hier genau richtig. Einige Kilometer ausgewiesener Radweg wurden ebenfalls großzügig in unsere Motorradtour integriert. Schließlich soll eine Tour ja abwechslungsreich bleiben.
Donnerstag, 10.09. – Ruhetag und Lukomir-130 km-1.519 HM
Der erste Ruhetag! Den hatten wir uns verdient. Dachten wir zumindest. Ein Teil der Truppe entschied sich nämlich, das höchstgelegene Dorf Bosniens – Lukomir auf etwa 1.500 Metern – zu besuchen. In letzter Sekunde beschlossen die Beifahrerinnen, lieber nicht mitzufahren. Eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als ausgesprochen weise herausstellen sollte. Denn was folgte, war über weite Strecken ein echtes Offroad-Abenteuer. Nicht nur Schotter, sondern teilweise richtiges Geröll und Pisten, bei denen man sich gelegentlich fragte:„Ist das jetzt noch eine Straße oder schon eine Mutprobe?“ Am Ende überwog aber eindeutig das Abenteuer – und wir waren froh, Lukomir gesehen zu haben. Den Nachmittag und Abend verbrachten wir wesentlich entspannter bei einer Stadtbesichtigung und einem Bummel über den Basar von Sarajevo.
Freitag, 11.09. – Sarajevo – Neum-260 km-1.569 HM
Heute standen eigentlich wunderschöne Bergstraßen auf dem Programm. Teilweise bestens ausgebaut, teilweise mit erkennbarem Renovierungsbedarf. Das Wetter war bereits am Morgen eingetrübt. Bei angenehmen 19 Grad starteten wir mit der Hoffnung, wenigstens bis zur ersten Pause trocken zu bleiben. Diese Hoffnung hielt ungefähr eine Stunde. Dann hieß es: Regenkleidung an! Bei leichtem Nieselregen und auf überwiegend nassen, aber weiterhin wunderschönen Bergstraßen ging es Richtung Mostar. Dort angekommen, legten wir eine längere Pause ein und genossen regionale Spezialitäten. Die Pause wurde sicherheitshalber um weitere 30 Minuten verlängert. Schließlich hing über Mostar ein tiefschwarzes Wolkengebilde, das nicht gerade nach Sonnenschein aussah. Als schließlich auch noch Starkregen einsetzte, war die Entscheidung gefallen: Regenkleidung anlassen und weiter. Zwischendurch lockerte das Wetter etwas auf. Und dann – endlich Neum! Sonne, Meer und 25 Grad Wassertemperatur. Nach dem obligatorischen Manöver-Bier ging es direkt ins Meer und anschließend zum Abendessen auf eine Terrasse direkt am Wasser.Fangfrischer Fisch inklusive. Trotz Regen war es ein wunderschöner Tag. Und was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Das war der einzige Regentag der gesamten Tour!
Samstag, 12.09. – Ruhetag in Neum
Ruhetag Nummer zwei. Unser Hotel lag direkt am Strand, daher war die Tagesplanung schnell erledigt: Baden, entspannen und nichts tun. Eine Tätigkeit, die Motorradfahrer erstaunlicherweise ebenfalls beherrschen.
Sonntag, 13.09. – Neum – Podgorica-270 km-1.427 HM
22 Grad, Sonnenschein – besser geht's kaum. Erste Station war Trebinje. Hier verabschiedeten sich Karin und Steffen wie geplant von der Gruppe und setzten ihre Reise alleine Richtung Kroatien fort. Für uns ging es weiter nach Montenegro. Nächster Halt: Kotor. Bei mittlerweile 28 Grad gönnten wir uns einen kleinen Imbiss, bevor es auf die spektakulären Serpentinen ging. Wobei „Serpentinen“ eigentlich eine freundliche Umschreibung für das war, was uns erwartete. Dutzende Busse machten aus der kurvenreichen Strecke eine Geduldsprobe. Für ein eigentlich relativ kurzes Stück benötigten wir rund eine Stunde länger. Aber irgendwann war auch das geschafft. Etwas erschöpft, aber zufrieden erreichten wir Podgorica und bezogen unser Quartier direkt am Fluss. Im Hotel fand gerade eine Hochzeit statt – also gab es ein bisschen musikalische Unterhaltung gratis dazu. Wir fanden jedoch in der Stadt ein hervorragendes Bierlokal mit gutem Essen. Und damit war auch dieser Tag wieder gerettet.
Montag, 14.09. – Podgorica – Foča-220 km-1.900 HM
Heute war offiziell der Tag der 1.000 Tunnel. Zunächst ging es am Fluss Morača entlang und anschließend durch den Nationalpark Durmitor. Über den Sedlo-Pass erreichten wir rund 1.900 Höhenmeter. Traumhafte Gebirgsstraßen, spektakuläre Landschaft und Kurven ohne Ende – Motorradfahrerherz, was willst du mehr? Danach folgten wir der Piva bis zum Grenzübergang Hum. Dort erwartete uns eine außergewöhnliche Holzbrücke. Sie wirkte auf diversen Bildern wesentlich mächtiger, als sie tatsächlich war. Nach dem Grenzübertritt folgten noch einige Kilometer auf Straßen, bei denen man sich wieder einmal daran erinnerte, dass in Bosnien der Begriff „Straßenqualität“ durchaus unterschiedlich interpretiert wird. Aber schließlich waren wir wieder in Bosnien vereint, nachdem Karl die Vorhut übernahm, das flottere Tempo genoss und zwischendurch schöne Aufnahmen machte.
Dienstag, 15.09. – Foča – Divič-320 km-1.294 HM
Das Motto des heutigen Tages: „Tag der 1.000 Kurven“ Stark bewölkt, aber trocken. Morgens frische 16 Grad, am Nachmittag angenehme 24 Grad. Die Strecke war hervorragend ausgebaut und kurvenreich – sehr kurvenreich. Also genau das, wofür wir eigentlich hergekommen waren. Zu den Highlights zählten neben der traumhaften Strecke die roten Sandpyramiden und die Gedenkstätte in Srebrenica. Heute teilte sich die Gruppe. Josef und Angelo entschieden sich für die direkte Strecke – aus Sorge vor dem angekündigten Regen. Die restliche Gruppe nahm die kurven-reichere Variante. Der Regen blieb übrigens aus. Das Hotel lag direkt am Fluss an der serbischen Grenze und bot eine traumhafte Aussicht nach Serbien. Manchmal ist Motorradfahren eben auch Grenztourismus.
Mittwoch, 16.09. – Divič – Banja Luka-250 km-495 HM
Bei rund 17 Grad starteten wir in den Tag. Bei der Ankunft in Banja Luka zeigte das Thermometer bereits 29 Grad. Die Strecke führte größtenteils über kleine, schöne Straßen. Einige davon waren allerdings eher der Kategorie „Hier war einmal Asphalt“ zuzuordnen. Dazwischen gab es kurze Abschnitte auf Hauptverkehrsrouten mit ordentlich Stau. Aber das Wetter blieb den ganzen Tag schön. Und langsam stieg die Vorfreude auf den dritten und letzten Ruhetag.
Donnerstag, 17.09. – Ruhetag in Banja Luka
Ruhetag Nummer drei. Heute war wieder freie Zeiteinteilung angesagt. Stadtbummel, Besichtigung, Kultur und Thermalbad standen auf dem Programm. Kurz gesagt: Jeder machte, was er wollte. Und genau so muss ein Ruhetag sein.
Freitag, 18.09. – Banja Luka – Maribor-320 km-400 HM
Unglaublich, aber wahr: Schon wieder Freitag – und damit der vorletzte Tag. Die Rückreise nach Maribor stand an. Bei wunderschönem Wetter fuhren wir zunächst durch das sanfte Hügelland Bosniens. Wenig Verkehr, schöne Landschaft und angenehme Temperaturen. Dann Kroatien. Und schließlich die Umfahrung Zagrebs über die Autobahn. Dort wartete allerdings ein gewaltiger Stau auf uns. Was blieb uns also anderes übrig, als quasi die Rettungsgasse zu unserem persönlichen Motorradkorridor umzuwidmen? Irgendwann war auch dieses Hindernis überwunden und wir erreichten Maribor bei schönem Wetter. Natürlich durfte das Manöver-Bier nicht fehlen. Nach einer kurzen Dusche ging es anschließend noch in die Innenstadt. Wie bereits auf der Tour praktiziert, fuhren wir dabei wieder einmal in zwei Gruppen: Josef und Karl im flotten Solo-Tempo, der Rest im gemütlichen Sozius-Tempo. Zwei Geschwindigkeiten, ein Ziel – Maribor.
Samstag, 19.09. – Maribor – Eisenstadt-230 km-777 HM
Der letzte Tag. Heute fuhren wieder alle gemeinsam. Leichte Bewölkung, milde Temperaturen und eine deutlich spürbare Vorfreude auf Zuhause. Die letzte Pause und gleichzeitig die letzte Verabschiedung gab es beim Nagelreiter. Und damit war unsere Balkantour endgültig Geschichte.
Fazit
Liebe Freunde, wieder einmal liegen zwei abwechslungsreiche und erlebnisreiche Motorradwochen hinter uns. Rund 3.000 Kilometer, sechs Motorräder, zehn Hotels, drei Ruhetage, unzählige Kurven, einige Schotter- und Geröllpassagen, Wasserfälle, Berge, Meer, Grenzen, Tunnel und natürlich das eine oder andere Manöver-Bier. Wir haben festgestellt, dass ein als „sehenswert“ angekündigtes Dorf nicht unbedingt sehenswert sein muss, dass ein Navi manchmal eine kreative Interpretation einer Hoteladresse liefert und dass zehn Kilometer Schotter zwar fahrbar sind, aber Motorräder anschließend erstaunlich anders aussehen. Wir haben gelernt, dass Beifahrerinnen manchmal sehr gute Entscheidungen treffen, dass Busse auf montenegrinischen Serpentinen eine gewisse Hartnäckigkeit entwickeln und dass man nach einem Regentag mit anschließender Badeeinlage am Meer eigentlich nicht mehr von schlechtem Wetter sprechen darf. Vor allem aber haben wir wieder viele schöne gemeinsame Stunden erlebt. Liebe Freunde, es waren wieder einmal zwei wunderschöne Wochen mit täglich wechselnden Situationen, neuen Eindrücken und vielen Erlebnissen. Ich möchte keine einzige davon missen.
Bis zur nächsten Tour! Euer Reini